Um 1900 war Wien ein vitales Zentrum für Kunst und Architektur, und Josef Hoffmann war eine der einflussreichsten Figuren. Im Jahr 1897 war er einer der Begründer der Wiener Sezession, einer Bewegung, die einen Bruch gegenüber den offiziellen künstlerischen Organisationen darstellte und die sich auf die Art Nouveau und auf den Jugendstil zurückführen lässt. 1903 gründete er die Wiener Werkstätte, eine Gruppe aus Laboratorien und Ateliers, die nicht auf eine industrielle Produktion orientiert waren, aber auf den direkten Kontakt zwischen Künstler und Handwerker.
Seine kubischen, verwinkelten Formen, der geradlinige und geometrische Stil in der Architektur wie auch im Design von Innenräumen und von Möbeln sind berühmt. Hoffmann wurde als der Wiener Architekt schlechthin betrachtet, aber er arbeitete auch im Ausland: nach Meinung vieler ist sein Hauptwerk das Palais Stoclet in Brüssel, aber man muss auch an die Pavillons für die Weltausstellung in Köln (1914), Paris (1925) und für die Biennale in Venedig (1934) erinnern. Als Mitglied der Berliner Akademie war er bis zuletzt bei der Debatte der internationalen Architektur präsent und an der Planung des Wiederaufbaus der im 2. Weltkrieg zerstörten Städte beteiligt.